So veränderst du falsches Verhalten

Was ist überhaupt falsches Verhalten?

Beginnen wir diesen Blog-Artikel doch einfach mal mit einer wichtigen Frage: Was bedeutet falsches Verhalten?

Wenn ich diesen Ausdruck "falsch" höre, dann bekomme ich immer leichte Magenschmerzen. Im Wörterbuch (oder bei Tante Google) liest man: inkorrekt, nicht den Tatsachen entsprechend, nicht zutreffend, unsachgemäß, unrichtig.
Verhaltensweisen, die von uns als falsch wahrgenommen werden sind: Aggressionsverhalten, Angstverhalten, Nahrungsaufnahme, Territorialverhalten. Sie sind für uns gefährlich, weil Zähne zum Einsatz kommen, oder weil unser Hund einfach nicht so reagiert, wie wir es uns wünschen! IMG 2585Falsch bedeutet aber, dass das Verhalten nicht zur Situation passt. Und hier kommen wir zum Knackpunkt. Denn: Aus Sicht deines Hundes, verhält er sich richtig.

Ein Hund muss tun, was ein Hund tun muss!

  • Den Artgenossen aus dem Revier vertreiben oder seine Individualdistanz einfordern; völlig normales hündisches Verhalten!
  • Futter, Fressen jeglicher Art, egal wo es rumliegt; völlig normales hündisches Verhalten (wenn du es nicht essen möchtest, gehört es nicht dir)
  • Dem Reh hinterher rennen; völlig normales hündisches Verhalten (vielleicht rennst du nicht mit, weil du satt bist?)
  • Schnell vorwärts gehen (und dabei an der Leine ziehen); aus Hundesicht völlig in Ordnung

Wenn Verhaltensweisen nicht krankhaft oder extrem sind (selbstzerstörerisches Verhalten zum Beispiel), dann handelt es sich um Verhalten, welches aus der Sichtweise unseres Hundes völlig normal, in Ordnung und sogar überlebensnotwendig ist. Es passt halt einfach nicht in unsere Welt. Weil es gefährlich für unseren Hund und für unsere Umwelt ist. Weil es peinlich ist. Weil es einfach unerwünscht ist.

Ich muss ihm doch nur klar zeigen, dass er das nicht darf

Stell dir vor: Du fährst in der 30er-Zone 30. Und du wirst von der Polizei angehalten und musst 100 Euro bezahlen. Oder du wirst bestraft, weil du an der roten Ampel stehen geblieben bist. Macht Sinn? Nicht? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass du nicht verstehst, was gerade passiert? Weil die Polizei vielleicht auch noch eine unverständliche Sprache spricht und bei dir nur Stress und Negativität ankommt. Das ist unangenehm, oder?

Dein Hund verhält sich nicht absichtlich falsch - zeigt also unerwünschtes Verhalten - und versteht dann auch nicht, warum du ihn bedrohst oder gar weh tust. Warum du zur Gefahr für ihn wirst. Ich habe mich diesem Thema, welches auch unter "Grenzen setzen" fällt schon einmal gewidmet. Du kannst meine Gedanken dazu hier nachlesen: *klick*

Wie wird aus unerwünschtem Verhalten erwünschtes Verhalten?

Statt dich auf das hündische normale, aber für dich unerwünschte Verhalten zu konzentrieren und es wegmachen zu wollen, solltest du dich fragen:

  • Welches Bedürfnis hat mein Hund in dieser Situation?
  • Was möchte mein Hund mit seinem Verhalten erreichen?
  • Welches Alternativverhalten ist möglichst einfach auszuführen und erfüllt dieses Bedürfnis?
  • Hast du deinem Hund das Alternativverhalten wirklich gut beigebracht und dein Hund liebt es, es zu zeigen?
  • Hast du ausreichend unterschiedliche Belohnungen, die auf das Bedürfnis passen?

Kannst du alle Fragen abnicken? Dann bist du gut vorbereitet, um deinem Hund zu zeigen, was du eigentlich von ihm möchtest.Stella fängt Keks

Damit dein Hund das Alternativverhalten lernen kann, musst du Trainingssituationen schaffen:

  • Dein Hund kann den Auslöser für unerwünschtes Verhalten aus einer Distanz beobachten, so dass er weiterhin entspannt bleibt
  • Du hast ausreichend Möglichkeiten, um auszuweichen
  • Für den Fall der Fälle hast du Management-Maßnahmen vorbereitet (zum Beispiel weggehen, Social Support, etc.)
  • Sobald dein Hund den Auslöser wahrgenommen hat, belohnst du ihn (damit der Auslöser positiv verknüpft wird) und fragst dann das Alternativverhalten ab
  • und anschließend honorierst du das Alternativverhalten richtig großzügig!

Zu guter Letzt: Dein Geiz macht deinen Hund geizig!

Bist du mit Belohnungen sparsam und erfüllen sie nicht das, was dein Hund eigentlich will, wirst du nie voran kommen! Also mache dich auf die Suche nach dem Bedürfnis und belohne deinen Hund bedürfnisbefriedigend! Klau dir doch ein paar Ideen von meinem YouTube-Kanal! Und noch ein weiterer Tipp: Wenn dein Hund das unerwünschte Verhalten schon etliche Male (Monate, Jahre) gezeigt hat, dann erwarte bitte nicht, dass sich das Verhalten mit wenigen Trainingseinheiten ändern lässt.

Geduld und Großzügigkeit zahlt sich aus. Immer!

In diesem Sinne viel Spaß beim Training!

 

 

 

 Viele Grüße 
Susanne Bretschneider
von
Partner for Paws

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