5 Gründe, warum dein Hund draußen Beschäftigung braucht

und wie du die richtige Beschäftigung findest

 

Lieber Hundefreund,

Wie gehst du mit deinem Tierschutzhund spazieren?

Wenn ich mit meinen Hunden unterwegs bin, fällt mir oft auf, dass viele Menschen mit ihren Hunden getrennt voneinander unterwegs sind. Jeder der beiden Seiten geht für sich spazieren. Während der Mensch eher mit Grübeln, oder dem Handy - im günstigsten Fall mit der Natur - beschäftigt ist, schaut der Hund im besten Fall nach spannenden Reizen in der Umwelt oder, und das sehe ich leider auch oft, kämpft mit sich und seinen Ängsten vor anderen Menschen, Radfahrern, Autos oder Hunden. 

Warum du deinen Hund draußen beschäftigen solltestAbby und Flip schnüffeln Leckerlis

Dein Hund wird aufmerksamer!

Dein Hund hat unterschiedliche Bedürfnisse, die gestillt werden sollten. Ganz gleich, ob du einen Hund hast, der liebend gerne seine Nase einsetzt oder lieber auf Sichtreize reagiert und viel gucken möchte, erfüllst du die Bedürfnisse, lernt dein Hund dich als Bezugsperson lieben und schätzen. Die meisten Hundehalter wünschen sich, dass ihr Hund beim Spaziergang aufmerksamer ist und auf Signale wie zum Beispiel den Rückruf besser reagiert. Erfüllst du die Bedürfnisse deines Hundes auch draußen, wird dein Hund sich öfters an dir orientieren und nach dir schauen!

Das vertrauen in dich wird größer!

Wenn es um Beschäftigung geht, dann meine ich Dinge, die deinem Hund Spaß bereiten und vor allem ihm einfach gut tun! Du sorgst also dafür, dass dein Hund sich wohlfühlt. Gerade bei Hunden aus dem Tierschutz ist das ein großer Faktor: Das Misstrauen in den (eigenen) Menschen! Sorgst du dafür, dass auch draußen schöne Situationen passieren, die die Bedürfnisse deines Hundes erfüllen, lernt dein Hund, dass er dir (noch mehr) vertrauen kann. Und je größer das Vertrauen in dich ist, desto schöner ist das Hundeleben!

Die angst wird weniger!

Viele Hunde aus dem Tierschutz haben Angst vor verschiedenen alltäglichen Sachen. Sei es vor anderen Menschen mit seltsamen Gegenständen, andere Artgenossen, Geräusche die plötzlich auftauchen - die Liste lässt sich ewig weiterführen. Im schlechtesten Fall zerren wir unseren Hund durch angstmachende Situationen durch - im besten Fall sind wir bemüht, diese Dinge gegenzukonditioneren und mit etwas Gutem zu verknüpfen. Und nun kommt das Gute: Kann dein Hund draußen seinem Hobby nachgehen, dann geht es ihm in diesem Augenblick gut. Fühlt sich dein Hund wohl, wird die Umwelt automatisch als weniger gefährlich eingestuft. Du schlägst also zwei Fliegen mit einer Klappe: Du schaffst etwas Gutes für deinen Hund, befriedigst also seine Bedürfnisse und verknüpfst damit automatisch die auftauchenden Umweltreize positiv.

Dein hund wird selbstsicherer!

Auweh, ich möchte doch keinen Hund, der vor Selbstbewusstsein strotzt und sich über mich hinwegsetzt! Wenn du das gerade denkst, dann muss ich dich enttäuschen. Denn Hunde, die selbstsicher sind, haben einfach weniger Angst. Setzt dein Hund sich über dich hinweg, dann hat er entweder gelernt, dass du ihm nichts bringst oder er hat nicht gelernt, was du von ihm möchtest. Ist dein Hund generell schnell verängstigt, helfen Suchspiele und das Lösen von Herausforderungen fernab von Angstsituationen dabei, selbstsicherer zu werden und die Umwelt als weniger gefährlich einzustufen. Lass deinen Hund mit der richtigen Beschäftigung mutig werden!

Du lernst deinen Hund kennen!

Nirgendwo besser lernst du deinen Hund und seine Bedürfnisse kennen, als mit der Aufgabe: Kreiere eine Beschäftigung, die deinen Hund rundum glücklich macht! Du kannst dabei ausprobieren und daneben liegen. Oder richtig. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich sehe, wie glücklich meine Hunde sind, wenn sie etwas tun dürfen, was ihnen so richtig Spaß bereitet. Abby und Stella sind dabei grundsätzlich verschieden und ich muss mir immer zweimal was einfallen lassen. Achte beim Ausprobieren auf die Körpersprache deines Hundes. Du wirst lernen, wie dir dein Hund zeigt, dass er gerade überfordert ist. Oder keine Lust hat (was nicht schlimm ist!). Du wirst noch tiefer in das Verhalten und die Bedürfnisse deines Hundes eintauchen und ihn von einer anderen Seite kennenlernen. Sei offen dafür und freue dich auf gemeinsame Qualitätszeit auf einem anderen Level.  

Was ist denn eine Beschäftigung überhaupt? Flip buddelt

Unter Beschäftigung ist nicht Gehorsamsübungen zu verstehen. Es geht nicht darum, dass dein Hund dir folgt, sondern es geht darum, die ursprünglichen, hundlichen Verhaltensweisen zu entdecken, zu fördern und ausleben zu lassen. Spielen, Suchen, Jagen, Fressen, um die größten Punkte an dieser Stelle zu nennen. Natürlich sollst du deinen Hund nicht jagen lassen - aber - und hier kommt deine Kreativität ins Spiel - du kannst die Spiele ausdenken, die Sequenzen aus dem Jagdverhalten (Orientieren, Suchen, Hetzen, Packen, Töten, Fressen) darstellen und auf deinen Hund anpassen. Hier gibt es fast keine Grenzen an deine Kreativität. Du solltest beim Ausdenken der Beschäfitgung nur folgende Regeln beachten:

  • niemand darf gefährdet oder gar verletzt werden
  • du solltest dich erkundigen, welche Verordnungen für dein Gassi-Gebiet gelten (Leinenpflicht, Brut und Setzzeit)
  • dein Hund macht keine Fehler und du wirst ihn nicht für vermeintlich falsches Verhalten bestrafen
  • dein Hund stellt die Regeln im großen Rahmen, denn es gilt: Erfülle die Vorlieben deines Hundes im Rahmen der Machbarkeit

 Und welche Beschäftigung darf es für deinen Hund sein? 

Wer mir schon länger folgt (zum Beispiel meinen Newsletter abonniert hat oder in meiner Facebook-Gruppe für Menschen mit Tierschutzhunden ist), wird schon wissen, dass ich hier keine Trainingsanleitung für DIE EINE Beschäftigung für ALLE Hunde geben werde.

Stattdessen frage ich dich folgendes:

  • Wenn dein Hund dürfte, wie er wollte - was würde er den ganzen lieben langen Tag draußen tun
  • Was von der obigen Frage kannst du locker erfüllen (das ein oder andere Mauseloch darf meiner Meinung nach durchaus herhalten) und was nicht
  • Was von dem, was dein Hund tun würde, aber nicht gut für alle ist, kannst du ersetzen durch Alternativen?
  • Spielt dein Hund gerne Zerr-Spiele?
  • Liebt dein Hund es, hinter sich bewegenden Dingen hinterher zu rennen?
  • Beobachtet er gerne seine Umwelt, bleibt oft stehen und guckt? Reagiert er auf Sichtreize?
  • Ist er gerne flott unterwegs?
  • Ist seine Nase im Dauereinsatz, und wenn ja, eher am Grashalm oder auf der Suche nach Wild?

 Fazit

Geh mit deinem Hund raus, nicht um Schritte zu sammeln, Sport zu treiben oder eine Pflicht zu erledigen. Versuche stattdessen, gemeinsam mit deinem Hund - durch die Augen deines Hundes - unterwegs zu sein, gemeinsame Hobbies zu entwickeln, Spuren zu entdecken, Spaß zu haben. Dadurch wird dein Hund aufmerksamer, hat mehr Lust, auf dich zu hören, vertraut dir (noch) mehr und verliert Ängste und Unsicherheiten. Das heißt natürlich nicht, dass du deinen Hund nur noch beschäftigen solltest. Einfach nur spazieren gehen, im Tempo deines Hundes, solltest du natürlich auch! Wie viel für deinen Hund gut ist, musst du herausfinden und probieren. Und wenn du nicht weißt, wie du anfangen sollst, dann komme doch einfach in die Facebook-Gruppe "Hundemahlzeit kreativ und positiv" und lass dich von circa 2.000 Mitgliedern inspirieren!

 

Viele Grüße 
Susanne Bretschneider
von
Partner for Paws